Dekanat Sulzbach-Rosenberg

evangelisch in der Oberpfalz

Bischof baut am Knappenberg

kapelle2Nach Erkelsdorf führen nur schmale, kurvige Gemeindestraßen. Kurz hinter dem Oberpfälzer Dorf ist an einem Parkplatz zwischen Feldern und Wald Schluss. Wer zur Kapellenbaustelle am Knappenberg will, muss zu Fuß weiter. Im strömenden Regen geht es auf einem unbefestigten Weg durch den Wald. Nach einer ganzen Weile empfängt den Besucher munteres Hämmern und Klopfen. Neben dem Jugendhaus, einer Einrichtung des evangelischen Dekanats Sulzbach-Rosenberg, erhebt sich auf einem Betonunterbau ein dreieckiger Dachstuhl. Ein halbes Dutzend Handwerker, teilweise in der traditionellen Zimmermannstracht, trotzt dem Dauerregen und legt Bretter auf den Dachstuhl. Andere nageln mit dem Drucklufthammer Holzschindeln an die Außenwand.

„Bisher müssen wir über eine Stunde laufen, um nach Neukirchen zum Gottesdienst zu kommen“, sagt Thomas von der Evangelischen Jugend des Dekanats. „Das ist bei so einem Wetter wie heute nicht lustig!“ Deshalb hätten die Jugendlichen sich eine Kapelle vor Ort gewünscht. Ein Fundament existierte schon. Darauf war 1947 der Vorgängerbau des heutigen Jugendhauses errichtet worden. Das Bauholz ist überwiegend gespendet worden. „Monatelang sind wir an den Wochenenden mit dem Bulldog in die Wälder gefahren, um die von den Waldbesitzern gespendeten Bäume herauszuholen“, erzählt Thomas. Trotzdem hat das Projekt insgesamt 140.000 Euro gekostet. 80.000 Euro wurden durch das LEADER-Projekt des Landkreises aus EU-Mitteln finanziert, der Rest aus Spenden.

lr bf 2Auch Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender Dr. Heinrich Bedford-Strohm und Landrat Richard Reisinger trotzen den Elementen und helfen auf der Baustelle mit. Die beiden Schirmherren des Projekts nageln gemeinsam Holzschindeln an die Giebelwand. “Ich finde es großartig, dass hier Jugendliche selbst die Initiative ergriffen haben, eine Kapelle zu errichten”, erklärt der Landesbischof. Es gebe zu viel Untergangsstimmung in den Kirchen, dabei hätten sie zusammen in Deutschland immer noch 48 Millionen Mitglieder. “Wir müssen uns unserer Kraft bewusster werden und mehr von der Liebe Jesu Christi ausstrahlen”, sagt Bedford-Strohm, “Dieses Projekt zeigt, dass gerade Jugendliche Spiritualität brauchen und zum Aufbruch in etwas Neues bereit sind.“

Reisinger, der viele Jahre in der Jugendarbeit der katholischen Pfarrei St. Marien in Sulzbach-Rosenberg tätig war, ergänzt: „Ich freue mich, dass dieser spirituelle Aufbruch gerade in meinem Landkreis stattfindet!“ Das zeige doch, dass der Glaube in unserem Land allen Zweiflern zum Trotz Zukunft habe.

Auch eine Gruppe aus dem Ostmährischen Seniorat der Böhmischen Brüder, mit dem das evangelische Dekanat Sulzbach-Rosenberg seit vielen Jahren eine lebendige Partnerschaft pflegt, verbringt eine Ferienwoche auf der Baustelle. Die sechs Jugendlichen und ihr Pfarrer Daniel Heller aus Valašské Mezirící fühlen sich als Teil des Baustellenteams. „Am Anfang war die Sprachbarriere ein Problem, aber jetzt haben wir die deutschen Wörter für das Werkzeug gelernt und im Gegenzug die Deutschen die tschechischen Begriffe, so dass es bunt durcheinander geht“, erzählt Heller.

Tereza aus Ruždka, einem kleinen Dorf in der Nähe von Vsetin in Ostmähren, ist vor allem mitgekommen, weil sie neugierig auf Deutschland war. Ihre Freundin Zdenka aus der ostmährischen Großstadt Zlín wollte auch einmal Deutschland sehen, aber für sie ist vor allem der spirituelle Aspekt wichtig: „Ich baue an einer Kapelle für Gott. Das motiviert mich.“ Die jungen Frauen finden es schön, wie auf der Baustelle alle zusammenarbeiten. Sonst haben sie aber von Deutschland nicht viel gesehen: „Abends nach der Arbeit sind wir immer so müde, dass wir früh ins Bett gehen. Da bleibt keine Zeit für Ausflüge“, sagen sie.

Gemeinsam haben die deutschen und die tschechischen Jugendlichen in einer kleinen Andacht Gebete auf die Rückseite von Holzschindeln geschrieben, die danach an die Fassade genagelt wurden. Weil nur Gott ihre Gebete kennen soll, bleiben sie auf diese Weise den Augen der Menschen verborgen.

„Wir bauen hier einen spirituellen Begegnungsraum – auf gut bayerisch übersetzt: eine Kapelle“, sagt Dekan Karlhermann Schötz, der sich als Dachdecker betätigt. 30 bis 40 Jugendliche arbeiten regelmäßig mit, etwa 20 sind immer auf der Baustelle. Am Ende der Arbeitswoche wollen sie die erste Andacht in dem vollständig eingedeckten Rohbau feiern.

Mehr zum Jugendhaus Knappenberg und dem Kappelenbauprojekt finden Sie hier.

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