Dekanat Sulzbach-Rosenberg

evangelisch in der Oberpfalz

Verabschiedung Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss

Zahlreich war das Gottesvolk in der Christuskirche versammelt, um die letzte Predigt des scheidenden Regionalbischofs Dr. Hans-Martin Weiss an diesem Ort zu hören. Auch für Weiss war es ein emotionaler Augenblick, schließlich hat er seine ersten Lebensjahre in Sulzbach-Rosenberg verbracht.

Mit großer Feierlichkeit eröffnete der sehr stark besetzte Dekanats-Posaunenchor unter der Leitung von Kurt Lehnerer den festlichen Gottesdienst am Sonntag Invokavit (Er hat mich angerufen). Der Name dieses Sonntages im evangelischen Kirchenjahr bezieht sich auf den 95. Psalm: „Er hat mich angerufen, darum will ich ihn erhören.“ Dekan Karlhermann Schötz begrüßte den Regionalbischof und die Gemeinde aus dem ganzen Dekanat, darunter auch viele Geistliche, zum ersten Gottesdienst in der Passionszeit. Im Jahr 1522 habe Martin Luther mit seinen acht Invokavit-Predigten die Reformation in Wittenberg wieder in geordnete Bahnen gelenkt, erläuterte Schötz, daher sei das Datum für die evangelische Kirche bedeutsam. Er freue sich, dass er Weiss zu einer Invokavit-Predigt begrüßen könne, obwohl in Sulzbach-Rosenberg kein Aufstand niederzuringen sei.
Weiss erinnerte in seiner Predigt über Mt 4, 1-11 zunächst daran, dass sein Vater sich vor fast genau 55 Jahren mit einer Aufführung der Johannis-Passion von Johann Sebastian Bach aus dem Dienst als Kantor der Christuskirche verabschiedet habe. Obwohl er damals noch ein kleiner Bub gewesen sei und deshalb an der Aufführung gar nicht teilnehmen durfte, könne er sich noch an das aufwendig hergestellte Plakat mit dem Motiv des Altarmosaiks erinnern, auf dem die drei Kreuze von Golgatha besonders hervorgehoben waren. Dass Jesus schließlich mit zwei Verbrechern ans Kreuz geschlagen worden sei, habe vor allem daran gelegen, dass er die Erwartungen der Menschen nicht erfüllen wollte. Nach der Speisung der 5000 habe er sich nicht zum „Brot-Messias“ machen lassen, und nach dem triumphalen Einzug in Jerusalem nicht zum König und Führer des Widerstands gegen die römische Besatzung. „Jesus weigerte sich, seine Macht und seine Bedeutung durch ein Wunderzeichen zu bekräftigen. Er wehrte mit aller Deutlichkeit falsche Ansprüche an ihn ab,“ so der Prediger.
Was Jesus tatsächlich gewollt habe, sei in der Bergpredigt im Matthäus-Evangelium zu lesen. Er übersetze diese Worte so: „Wir leben nicht von unseren Verdiensten, wir leben von dem guten Wort Jesu Christi, mit dem er unsere Sinne reinigt, erhält und auf den Weg des Friedens führt.“ Zum Abschluss dankte der Regionalbischof für die schönen Begegnungen der letzten Jahre, die ihm seinen Geburts- und Taufort wieder neu nahe gebracht hätten. Am 1. August beginne sein Sabbatjahr, in dem er nicht predigen, sondern jeden Sonntag in verschiedenen Kirchen in der Bank sitzen wolle. „Das Wort des Herrn ereilt uns an vielen Orten“, sagte Weiss. Die meisten Besucher gingen nach der abschließenden Musik von Posaunenchor und Orgel noch hinunter in den Gemeindesaal, um sich bei einem Kaffee von ihrem Regionalbischof zu verabschieden. Die letzte Begegnung wird es aber nicht gewesen sein: Im ökumenischen Gottesdienst am Annaberg wird Weiss heuer noch einmal in Sulzbach-Rosenberg predigen.

Drei Fragen an Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiss

Sie sind im Kapitelsaal des Dekanatsgebäudes getauft, nicht in der simultanen Stadtpfarrkirche, weil damals das Taufbecken verschlossen war. Was bedeutet Ökumene für Sie?
Dr. Hans-Martin Weiss: Ökumene ist Überlebensthema und zugleich Lebensthema der Kirche. Es gibt dazu keine Alternative.
Sie sind seit mehreren Jahrzehnten Pfarrer. Hat sich Ihr Verständnis von diesem Beruf gewandelt?
Dr. Hans-Martin Weiss: Gewandelt nicht, aber differenziert und vertieft. Ich habe eine ausgeprägte Amtstheologie. Pfarrer ist für mich ein heiliges Amt, aber zugleich ein ganz normaler Beruf mit alltäglichen Tätigkeiten.
Sie haben die ersten sechs Jahre Ihres Lebens in Sulzbach-Rosenberg verbracht. Was haben Sie aus dieser Zeit mitgenommen?
Dr. Hans-Martin Weiss: Meine erste Modelleisenbahnlok! Ich schaue sie auch heute noch jeden Tag an. Sulzbach-Rosenberg war eine Kleinstadt, aber zugleich ein Kosmos. Die Zeit war sehr arm und viele Nachbarn litten unter Silikose. Trotzdem war hier auch die Schönheit des Lebens spürbar.

Zur Person

Regionalbischof Dr. Hans-Martin Weiß wurde 1957 in Sulzbach-Rosenberg geboren. Sein Vater Rudolf Weiss war 1956-1964 Dekanatskantor an der Christuskirche. Dann zog die Familie nach Fürth. Weiss studierte Theologie in Erlangen, Bonn und Wien. Sein Vikariat absolvierte er in Ebersberg/Oberbayern, dann folgten Stationen als Studentenpfarrer in Bamberg und als Gemeindepfarrer in München. Seit 2004 ist er Regionalbischof im Kirchenkreis Regensburg. Am 31. Juli tritt er in den Ruhestand. Hans-Martin Weiss ist mit der Musikerin Irmhild Wölbing-Weiss verheiratet.

[Quelle: Sulzbach-Rosenberger Zeitung vom 11.3.2019]

Mehr zu Regionalbischof Weiss finden hier im ONETZ.

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