Dekanat Sulzbach-Rosenberg

evangelisch in der Oberpfalz

Ostmähren

Einen Überblick über die seit 1993 bestehende Partnerschaft gibt dieser Wiki-Artikel.

Konventsbesuch 2015

KonventVsetin3„Mir geht es darum, dass der reformatorische Gedanke, den Hus und andere in die Welt gesetzt haben, nicht zu tilgen ist“, sagte Dr. Roland Kurz auf dem Konvent der Böhmischen Brüder in Ostmähren, „sonst wären Sie als Böhmische Brüder heute nicht hier und sonst könnte ich Sie als Lutheraner heute nicht besuchen. Und wir könnten nicht zusammen Abendmahl in beiderlei Gestalt, also mit Brot und Wein, feiern.“

Seit zwanzig Jahren verbindet das evangelische Dekanat Sulzbach-Rosenberg eine lebendige Partnerschaft mit dem Seniorat der Böhmischen Brüder in Ostmähren. Dr. Kurz als Partnerschaftsbeauftragter nahm am Konvent, der Dekanatssynode, der Brüder im tschechischen Vsetín teil. In seinem Grußwort erinnerte er daran, dass es bereits 1993 erste Kontakte gab und 1995 die Partnerschaft formell begründet wurde. Sie könne einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass die reformatorischen Gedanken sich in der Welt behaupten und immer weitergegeben werden.

Maja Navratilová, Leiterin eines Kindergarten in Jablunka hatte eine Präsentation vorbereitet und ließ mit zahlreichen Fotos die vielen Begegnungen der letzten zwanzig Jahre wieder lebendig werden. Ein besonderer Höhepunkt war das Jubiläumstreffen der Oberpfälzer und der Ostmähren in Prag heuer am 15.-18. Oktober. Wie schon viele Treffen zuvor wurde auch dieses vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfond großzügig gefördert.
An der Begegnung nahmen nicht nur Pfarrer teil, sondern auch Kindergärtnerinnen, wird doch die Partnerschaft ganz wesentlich von Kindergärten getragen, und zwar auf tschechischer Seite von staatlichen Kindergärten. „Die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und Kindergärten hängt immer an Einzelpersonen, die sich dafür einsetzen“, stellte Dr. Kurz fest. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir über zwanzig Jahre immer Menschen gefunden haben, die zu diesem Engagement bereit waren.“

Dr. Kurz berichtete, dass er auf der Basis von Navratilovás Präsentation gerade eine Chronik der Partnerschaft erarbeite, die auch ins Tschechische übersetzt werden solle. Damit wolle er ins Bewusstsein rücken, was in den zwanzig Jahren der deutsch-tschechischen Dekanatsfreundschaft schon alles passiert ist.
Für Senior Magister Petr Pivoňka, den Dekan der Böhmischen Brüder, war es der erste offizielle Kontakt mit der Partnerschaft, weil er erst heuer gewählt wurde. Er war sehr interessiert und signalisierte seine freudige Bereitschaft, die Partnerschaft weiter zu pflegen und zu fördern. Dr. Kurz lud ihn herzlich nach Sulzbach-Rosenberg ein.

Der Partnerschaftsbeauftragte wollte auch in das Leben von Kirche und Diakonie bei den ostmährischen Freunden eintauchen. Deshalb wohnte er einem Gottesdienst in Kroměříž bei und besuchte im Schloss von Valašské Meziříčí die Ausstellung „Namaluy mi beránka - Zeichne mir ein Schaf“. Diese Ausstellung ist ein Projekt der dortigen Diakonie, die eine Einrichtung zur Tagespflege von Behinderten unterhält und soziale Rehabilitation, eine Form von Betreutem Wohnen, anbietet. Für die Ausstellung haben tschechische Prominente wie Schauspieler, Publizisten, Politiker, Geistliche und Sänger, darunter auch Karel Gott, Bilder von Schafen gezeichnet. Die sehr unterschiedlichen, aber durchwegs charmanten Bilder werden schließlich versteigert. Der Erlös aus der Aktion wird für die Sanierung des Tagesheims verwendet. Die tschechische Diakonie ist interessiert, die Kontakte mit der Oberpfalz zu intensivieren.

20 Jahre Partnerschaft zwischen Kindertagesstätten

ZukunftslogoSeit 20 Jahren sind das evangelisch-lutherische Dekanat Sulzbach-Rosenberg und das ostmährische Seniorat der Böhmischen Brüder in einer Partnerschaft verbunden. Zur Feier des Jubiläums finanzierte der Deutsch-Tschechische Zukunftsfond eine Begegnung in Prag.

Der Sulzbacher Stadtpfarrer Dr. Roland Kurz und Pfarrer Konrad Schornbaum aus Eschenfelden waren mit Erzieherinnen der evangelischen Kindergärten im Landkreis angereist. Aus Ostmähren kamen die Pfarrer Jan Hudec, Daniel Heller sowie Wiera und Miroslaw Jelinek, die vielen im Dekanat noch von ihrem Besuch im Frühjahr mit dem Handglockenorchester in Erinnerung sind. Auch sie brachten viele Kindergarten-Erzieherinnen mit. Die Zusammenarbeit der Kindergärten war 1995 der Beginn der Partnerschaft und trägt sie bis heute.

senatDie Begegnung begann gleich mit einem Höhepunkt: Senator Jiří Čunek hatte die deutsch-tschechische Gruppe in das Palais Wallenstein, den Sitz des tschechischen Senats, eingeladen. Er führte selbst durch Plenarsaal und Repräsentationsräume des großartigen, frühbarocken Baus und erläuterte dabei die Geschichte und das gegenwärtige politische System in Tschechien. Die Partner besichtigten auch das Klementinum, Sitz der tschechischen Nationalbibliothek, in der seit 1930 jedes in Tschechien veröffentlichte Buch gesammelt wird. Bei der Gelegenheit konnte kurz ein Abstecher zur Karlsbrücke gemacht werden, wo an einem der Tortürme das Sulzbacher Wappen eingemeißelt ist.

Aber auch Besuche in Prager Gemeinden und Kindergärten standen auf dem Programm. In einem deutsch-tschechischen Kindergarten im Prager Stadteil Vinohrad erstaunte eine Fünfjährige die Gäste: „Ich spreche Armenisch, Russisch, Deutsch und Tschechisch“, sagte sie in akzentfreiem Deutsch. Im Saal der Brüdergemeinde in Libeň zeigten die deutschen Erzieherinnen den einheimischen Mitarbeitern, wie man kleinen Kindern mit Figuren und einfachen Materialien die Weihnachtsgeschichte vermitteln kann.

Viel Zeit war reserviert für das Gespräch mit vielen Bildern, Liedern und Erinnerungen an 20 Jahre Partnerschaft. „Die Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und Kindergärten hängt immer an Einzelpersonen, die sich dafür einsetzen“, stellte Stadtpfarrer Dr. Kurz fest. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir über 20 Jahre immer Menschen gefunden haben, die zu diesem Engagement bereit waren.“


trabbiEinen letzten Höhepunkt bildete der Besuch der Deutschen Botschaft im Palais Lobkowitz. Es war ergreifend, in dem legendären Garten zu stehen, wo im Herbst 1989 Tausende campierten, um der Unfreiheit der DDR zu entfliehen. Die Ereignisse in der Prager Botschaft, die auch ein Teil der Freiheitsgeschichte des tschechischen Volkes sind, wurden in einem großartigen Film noch einmal in Erinnerung gerufen. „Wenn man sich vorstellt, dass 1989 in diesem Garten mehr als 3000 Menschen Zuflucht fanden, ist es beschämend, dass heute einige meinen, die Aufnahme von 3000 Flüchtlingen würde die Tschechische Republik überfordern“, sagte Pfarrer Heller nachdenklich.

Mit vollen Herzen nahmen die deutschen Besucher von den tschechischen Freunden Abschied: „na shledanou – Auf Wiedersehen!“

Ein Schritt zur Versöhnung

Auf dem Gedenkstein mitten auf dem kleinen Friedhof des Dorfes Leština, etwa 200 km östlich von Prag, steht nur „Gewidmet den unschuldigen Opfern der Nachkriegsgewalt 1945“, in tschechischer und deutscher Sprache. Pfarrer Jan Hudec erforschte die schrecklichen Ereignisse vom Mai 1945 und ging jetzt anlässlich des 70. Jahrestages des Kriegsendes zusammen mit dem evangelischen Dekanat Sulzbach-Rosenberg einen „Schritt zur Versöhnung“. Möglich wurde diese Veranstaltung durch die großzügige Förderung durch den deutsch-tschechischen Zukunftsfonds.

Plakat Jan Mai 2015Bei Gottesdiensten und Konzerten gedachten die Gemeinden  Leština, Hrabová, Zábřeh und Šumperk zusammen mit Pfarrer Dr. Roland Kurz, dem Dekanatsbeauftragten aus Sulzbach-Rosenberg und dem Posaunenchor des CVJM Rosenberg der Ermordeten. Außerdem wurde eine Broschüre vorgestellt und verteilt, die über das Massaker von Leština berichtet und zeigt, dass der deutsch-tschechische Konflikt schon viel früher begann, zugleich aber auch darlegt, dass keiner der beiden Seiten die alleinige Schuld am Unrecht zugewiesen werden kann. Damit ist das auf deutsch und tschechisch verfasste Büchlein „Ein Schritt zur Versöhnung“ eine Einladung, sich die Fehler und Verbrechen beider Seiten bewusst zu machen, sie zu verzeihen und offen aufeinander zuzugehen. Auf Vermittlung der Stadt Šumperk finanzierte der Wiener Prof. Viktor Dostal, ein in Šumperk geborener Sudeterdeutscher, den Druck der Broschüre.
In der sozialistischen Zeit waren in Tschechien die Verbrechen an den Deutschen und ihre Vertreibung nach dem Krieg ein Tabuthema. Jetzt beginnt im Nachbarland die Diskussion über die Ereignisse. Auch in Leština und den Nachbarorten sind die Ereignisse der Nachkriegszeit nun ins Bewusstsein gerückt, obwohl sie nie vergessen waren. So legten Verwandte der ermordeten Deutschen auch während der Zeit des Kommunismus immer Blumen am Grab nieder. In Leština und Umgebung leben bis heute noch viele Nachkommen der damaligen Täter und Opfer, und manche Einwohner wissen, wer damals die Täter waren. Sie schweigen aber, weil zumindest deren Nachfahren noch leben.
Den Bürgermeistern der vier Gemeinden war es ein Anliegen, dass Deutsche in das Gedenken einbezogen werden. Jiří Linhart, der Bürgermeister von Hrabová, erläuterte: „Es war mir von Anfang an wichtig, dass diese Begegnung stattfindet, weil unter den Menschen, die ermordet wurden, auch fünf Tschechen waren. Eine der Geiseln, die hier ermordet wurden, war mein Großvater. Ich will nicht anklagen, aber wir wollen endlich ansprechen, was passiert ist, damit es nie wieder geschieht.“
Genauso sehen es auch seine Kollegen aus den Nachbarorten, die deshalb die Begegnung mitfinanziert und unterstützt haben, obwohl sie teilweise im Stadtrat heftigen Gegenwind von Altkommunisten und Nationalisten erfuhren.
Lestina3Der Rosenberger Posaunenchor unter der Leitung von Kurt Lehnerer spielte bei den sehr gut besuchten, bewegenden Konzerten auch zusammen mit örtlichen Chören. Besonders beeindruckend war das Konzert in Zábřeh mit „Carmen“, einem Auswahlchor der Region. Dieser Chor ist nicht kirchlich, singt aber auch oft kirchliche Lieder. In Zábřeh intonierten die Sängerinnen und Sänger auch Lieder, die man aus dem Gesangbuch kennt, darunter „Ich lobe meinen Gott“ auf tschechisch.  Spontan nahm der Posaunenchor dieses Lied in einer Instrumentalversion auf und zeigte damit die Verbundenheit der Bläser und Sänger, der Deutschen und Tschechen.
Posaunenchöre sind in Tschechien weitgehend unbekannt. Drei tschechische Bläser spielten bei einigen Stücken beim CVJM mit und gründen jetzt in Zábřeh einen gemeindeübergreifenden Posaunenchor. Lehnerer freute sich darüber sehr und unterstützte die Bläserkollegen gleich mit Noten. So sind neue freundschaftliche Kontakte über die Grenze und die Gräben der Vergangenheit hinweg entstanden.
„Versöhnung beginnt im Kleinen, in der direkten Begegnung“, fasste Pfarrer Dr. Kurz zusammen, „mit dieser Reise sind wir einen ersten, wichtigen Schritt gegangen. Es hat sich gelohnt.“

Das Massaker von Leština

Lestina1Am 7. Mai 1945, einen Tag vor der Kapitulation, wurde ein deutscher Soldat auf dem Rückzug in Leština erschossen. Die deutschen Besatzer verhafteten fünf willkürlich ausgewählte tschechische Zivilisten als Geiseln und erschossen sie im Nachbardorf, weil sich der Mörder des Soldaten nicht meldete. Drei Tage später, nach dem offiziellen Kriegsende, wurden fünf Sudetendeutsche gezwungen, Gräber für gefallene sowjetische Soldaten auszuheben. Während sie arbeiteten, wurden die Leichen der fünf ermordeten Geiseln zum Friedhof von Leština gebracht. Die Lage eskalierte. Die Deutschen wurden gezwungen, auch für sich selbst außerhalb des Friedhofs ein Grab auszuheben. Dann wurden sie ermordet und begraben. Eine Woche später wurden diese fünf mit den Leichen von elf unbekannten Flüchtlingen aus Schlesien in ein Massengrab umgebettet. In den nächsten Tagen kamen noch weitere sechs Deutsche aus Vitošov und Hrabová ums Leben.
Im Jahr 2000 wurden die Überreste der ermordeten Deutschen auf den deutschen Armeefriedhof in Brünn umgebettet. 2007 stellte die Gemeinde Leština den Gedenkstein auf dem Friedhof auf.

Besuch des Glockenorchesters aus Ratiboř u Vsetína und Kateřinice

Angefangen hat es mit einem Besuch auf der Synode der „böhmischen Brüder“ in Vsetín im Herbst 2011 - eigentlich mit einer emotionsgeladenen Episode, weniger mit Planung: Dr. Roland Kurz, Tim  Saborowski und ich sitzen am Samstagvormittag im Rathaussaal der Stadt. Wir sind Gäste der Synode, die in diesem Saal tagt. Die Atmosphäre ist freundlich, das Ambiente getränkt vom „Charme“ der sozialistischen Kultur; meine Stimmung ist etwas gedämpft. Die lange Fahrt am Vortag und das lange Zuhören der Diskussion in einer mir gänzlich unbekannten Sprache hatte mich etwas ermüdet, manche getuschelten Kommentare mit den Kollegen entwickeln sich zu einem Unterhaltungsprogram der eigenen Art.

 Eine  Gruppe Jugendlicher erscheint. Sie werden Musik machen, das ist zu erkennen: einheitliche Kluft, ein paar Glocken liegen schon auf Tischen bereit, ein buntes Banner wird ausgerollt. Die Kids sind fröhlich aufgekratzt doch zugleich sehr konzentriert.   Angekündigt wird ein Glockenorchester, das sich für den monetären Beitrag der Synode bedanken möchte. Voriges Jahr hatte man damit Glocken gekauft – jetzt möchte man erste Ergebnisse präsentieren. Geleitet wird die Gruppe von der Pfarrerin Wiera Jelinek, die zusammen mit ihrem Ehemann, Pfarrer Miroslaw Jelinek, das Glockenorchester als Instrument der Jugendarbeit bereits erprobt hatte, als beide noch in Polen arbeiteten. Zu Ehren der deutschen Gäste wird ein schlesischer Christushymnus gespielt.

Die Glocken sprechen mich unmittelbar und sehr direkt an! Tiefe Bereiche meines Inneren geraten in Schwingung, private Erinnerungen aus sehr glücklichen Kinder- und Jugendtagen klingen an und tun mir wohl; ich denke aber auch die Evangelisch-Lutherische Gemeinde in Rieden in der Oberpfalz: die Evangelischen kamen 1945. Und noch immer gibt es einige, die mir davon erzählen, wie sie aus Schlesien dorthin geflüchtet, in verzweifelter Lebensgefahr „getreckt“ sind. An der Paul-Gerhardt-Kirche ist ein Kreuz angebracht, dass ein Herr Hermann Matzke als junger Mann vor Jahrzehnten aus den Achsen eines Pferdewagens geschmiedet hatte, mit dem seine Familie als Flüchtlinge in die neue Heimat gekommen war. „Ob diese Menschen daheim jene Melodie vielleicht noch kennen, jenen Christushymnus noch beten?“, diese Frage stellte sich sofort. Ein Teil der damaligen Kultur, deren Untergang sie zuhause immer noch mit Trauer gedenken, wird weiter getragen - von tschechischen Jugendlichen, angeleitet von einer Kollegin, die selbst aus einer Familie stammt, die ins Exil nach Polen gegangen war und nun selbst zurück gekommen ist!

Auch wenn wir uns untereinander sprachlich kaum verständigen können – die Menschen teilen die gleichen Voraussetzungen, die gleichen Wünsche, eben die evangelische Hoff-nung. Der Glaube an den auferstandenen Jesus Christus ist auch bei diesen Fremden leben-dig. Nach dem Auftritt ist Pause und ich versuche radebrechend ein wenig davon zu sagen, was mich bewegt; es ist nicht viel mehr als ein „Danke für die Musik“ und eine Bemerkung etwa in der Art: „Wenn Sie einmal  das Partnerdekanat Sulzbach-Rosenberg kommen, wür-de ich mich freuen, Sie und Ihre Jugendlichen begrüßen zu dürfen, und wenn Sie dann dieses Lied spielen, werden einige Oberpfälzer da sein, die vielleicht sagen: „Das kenne ich!“

Die Anfrage kam Mitte Februar 2014 per Mail. Das Glockenorchester plane im Herbst eine Konzertreise nach Westböhmen, das wäre doch eine Gelegenheit, auch das Partnerdekanat in der Oberpfalz zu besuchen - Terminvorschlag Anfang September.

Mit einem Schlag gerät die Erinnerung wieder in Schwingung: „Der Termin ist nicht schön, eigentlich schlecht, aber irgendwie wird es möglich sein.“ Entlastend der Kollege aus Vsetín, Pfarrer Ivan Rysavy: „Dazu brauchen sie ein einfaches Nachtlager.“  Noch gehe ich irrtümlich davon aus, dass die allgemein formulierte Anfrage an alle Kollegen im Dekanat gerichtet ist, möchte mich beteiligen, die Ressourcen meiner drei Einsatzgemeinden müssten ausreichen. Herr Dekan Karlhermann Schötz stimmt zu, signalisiert Unterstützung. Dazu hoffe ich – ein wenig - darauf, dass dies ein Projekt sein könnte, das ich gemeinsam mit ein, zwei Kollegen aus dem Kapitel stemmen könnte. Eine Lösung findet sich im katholischen Messnerhaus bei Eggenberg.

Der Besuch selbst: Zwei Tage, drei Konzerte -  so ist es geplant.

Es beginnt am Dienstag, 9.9. 2014 mit einem Mittagessen im Seniorenheim in der Amberger Hellstraße. Nachmittags das erste Konzert: 14 quirlige Mädchen, bzw. junge Frauen, erfüllen den Speisesaal mit Musik und guter Laune. Dazu die besondere Atmosphäre der Instrumente, die bei vielen etwas zum Klingen bringt, Interesse, zum Teil auch Erinnerungen  weckt. Die Kollegin, Pfarrerin Wiera Jelinek, dirigiert das Orchester und „predigt“ im Verlauf der Moderation. Die Auswahl der Stücke stellt so eine Brücke dar, die nicht auf viele Worte angewiesen ist: Sie sind angeordnet wie einzelne Stationen entlang des Lebensweges, gehen daran entlang und bringen das dazu gehörende Schöpferlob zum Klingen. Alle Ohren sind offen für die verschiedenen und verschiedenartigen Klänge der Glocken; nach der Mu-sik ist die Begegnung zwischen den jungen Gästen und den Bewohnern ein weiterer kurzer Höhepunkt. Die Neugier auf die Instrumente ist groß, die Instrumente buchstäblich begrei-fen zu dürfen, sorgt für glückliche Gesichter. Das war es wirklich wert!

Der Tross zieht nach Eggenberg bei Ensdorf um, Gott sei Dank, das Wetter hält. Das macht es leichter, dass alle sich mit der abenteuerlich primitiven Infrastruktur anfreunden. Nach-dem die Gruppe schon drei Tage unterwegs ist, wird das Riedener Pfarrhaus zum Duschhaus. In Eggenberg entsteht ein kleines Zeltlager neben dem Messnerhaus; es gibt erste schüchterne Begegnungen mit fünf Jugendlichen aus der Riedener Gemeinde, die die Gäste von nun an begleiten werden. Das Konzert in der Riedener Paul-Gerhardt-Kirche ist leider nicht gut besucht; wieder ist das ungewöhnliche Instrumentarium eines Glockenorchesters ein besonderes Erlebnis.

Die Jugendlichen genießen die Begegnung, spielen nach dem Abendessen am Grill mitei-nander die Spiele, die sie bei der EJ, bzw. zuhause in Tschechien für solche Gelegenheiten gelernt haben; klappt offensichtlich super! Dem ungünstigen Termin ist es geschuldet, dass ich in den Wochen davor nicht  intensiv zur Teilnahme einladen konnte; schade, dass so etwas nicht besser angenommen wird, macht doch Spaß. Gemeindebrief, Vorbericht im Radio Ramasuri, in der Amberger Zeitung und im Sonntagsblatt schaffen nicht gerade viel Resonanz.

Resonanz aber schaffen die Glocken. Die offene Tür der Johanniskirche in Sulzbach-Rosenberg, lockt den Nachbarn  heran; ein Russlanddeutscher, der schon lange nicht mehr den Weg in seine Kirche gefunden hat erhascht nur ein paar Klänge und beschließt spontan, abends zu kommen; nicht ohne zu bedauern, dass seine Frau an diesem Tag arbeiten muss.

Die Johanniskirche ist recht gut besucht. Tagsüber war Gelegenheit zum Stadtbummel in Amberg, während die Jugendlichen im Kufü das Schwimmbad fröhlich bevölkert hatten. Das Gespräch und die Eindrücke unterwegs hatten das Verständnis füreinander wachsen lassen. Das ändert auch das Programm:
nicht nur der Lebensweg, sondern auch  die Wege, auf die der Glaube die Familie in der Vergangenheit geführt hatte sind im Blick. Die Kollegin stammt aus einer Familie, die ehe-dem aus Böhmen nach Polen ins Exil gegangen war; jetzt ist sie in der Heimat ihrer Fremde wieder eine Fremde; erstaunlich viele Menschen im Publikum haben ebenfalls eine Biogra-phie mit Migrationserfahrung. Allen wird die von den „Glocken der Guten Nachricht“ Be-stärkendes verkündet.

PS – gerade in Rosenberg hat der Abend erstaunliche Resonanz hervorgerufen; ungewöhn-lich häufig wurde ich sehr positiv darauf angesprochen. Auch von mir aus spricht vieles für eine Wiederholung, denn ich kann diese Jugendgruppe nur wärmstens an die Kollegen weiterempfehlen.

Kindergarten „An der Allee“: Partnerschaft mit Tschechien

AlleeTschechien„Ahoi!“ Fröhlich begrüßten die Kinder des evangelischen Kindergartens „An der Allee“ ihre Besucherin Maja Navratilova. Sie ist die Leiterin der Kindertagesstätte Jablonka in der tschechischen Stadt Vsetín. Seit langem verbindet die beiden Einrichtungen eine herzliche Partnerschaft. Im Rahmen der Partnerschaft des Dekanats Sulzbach-Rosenberg mit dem ostmährischen Seniorat der böhmischen Brüder tauschen sich die Erzieherinnen aus der Oberpfalz und Tschechien regelmäßig aus und besuchen einander zu ergiebigen Arbeitstreffen.

Navratilova brachte einen dicken Brief mit, den die Kinder von Jablonka gestaltet hatten, außerdem ein großes Herbstpaket. Die Kinder der Tigergruppe, ihre Erzieherin Anna Roth und Kindergartenleiterin Cornelia Ostasch waren begeistert, als sie einen stacheligen selbstgebastelten Igel und viele kleine Mäuse auspackten. Jedes Mäuschen brachte als Überraschung einen Bonbon mit.

Zum Dank sangen die Kinder ein Laternenlied. Dann besichtigte die Gruppe aus dem Partnerdekanat zusammen mit Stadtpfarrer Dr. Roland Kurz den ganzen Kindergarten und besuchte alle Gruppen.